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Logien  031 -  040

 
 
 

 

 
 
 

Thomastext Logion 031

 

Jesus sagte: Kein Prophet ist in seinem Dorf willkommen, und kein Arzt heilt diejenigen, die ihn kennen.

 

Der kanonische Text

 

Mk 6,4 Lk 4,24  +  Joh 4,44  +  Mt 13,57 Und sie nahmen Anstoß an ihm. Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet ist nirgends verachtet als in seiner Vaterstadt und in seinem Hause! 

 

Vergleichung

 

Ein fast identischer Wortlaut mit einem zweiten Halbsatz beim T-Logion, der bei den Bibelversen fehlt. In den beiden Fällen des Propheten und Arztes wird darauf abgehoben, dass man oftmals gerade bei den Leuten die man kennt, besondere Größe und Zuständigkeit weder vermutet, noch sie neidvoll zugestehen will.

 
 

Thomastext Logion 032

 

Jesus: Eine Stadt, die hoch auf einem Berg gebaut und befestigt ist, kann weder fallen noch verborgen bleiben. Ich bin das Licht über allem, und das All bin ich. 

 

Der kanonische Text

 

Mt 5,14  Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen bleiben.

Joh 8,12  Nun redete Jesus wieder zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern er wird das Licht des Lebens haben.

 

Vergleichung

 

Auch hier wieder ein fast identischer Wortlaut, mit einem bemerkenswerten Unterschied. Während sich im T-Logion Jesus als das Licht über allem und das All in Person verkündet, sind im ersten Bibelvers bei Matthäus die Jünger das Licht der Welt, was ja wohl angesichts allem sonstigen Unverständnis der Jünger Jesu sowie auch der allgemeinen Verstocktheit des Volkes schlichtweg nicht möglich sein kann. Die richtige Rangordnung ist jedoch zur biblischen Ehrenrettung bei Johannes wiederhergestellt. Die Nachfolge meint nicht die Gefolgschaft der Jünger bei Jesus, die für sich selbst in ihrem Leben eine Nachfolge Christi erst noch verwirklichen müssen.

Fazit: Anhand des biblischen Widerspruchs wird deutlich die dort stattgefundene Filterung erkennbar, wodurch eben willkürlich Unstimmigkeiten bzw. Widersprüche erzeugt worden waren. Dagegen zeigt sich nun der Thomastext als in sich stimmig und geschlossen.

 
 

Thomastext Logion 033

 

Jesus: Was du mit eigenen Ohren hörst, das gib allen bekannt auf euren Dächern! Denn niemand zündet eine Lampe an und stellt sie dann unter den Scheffel oder an einen verborgenen Ort. Sondern man steckt sie auf einen Leuchter, damit alle, die kommen und die gehen, ihr Licht sehen!

 

Der kanonische Text

 

Mk 4,21  +  Lk 8,16 Lk 11,33  Niemand zündet ein Licht an und setzt es an einen verborgenen Ort, auch nicht unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit die Hereinkommenden das Licht sehen.

 

Vergleichung

 

Der T-Logion ist hier der klar bessere Text, indem er einen Anhaltspunkt dafür liefert, in welchem Zusammenhang die Kernaussage einst gestanden hatte. Denn in den Bibelversen fehlt der vorangestellte Einleitungssatz.

 
 

Thomastext Logion 034

 

Jesus: Wenn ein Blinder einen Blinden führt fallen beide in die Grube.

 

Der kanonische Text

 

Mt 15,14  Lasset sie; sie sind blinde Blindenleiter. Wenn aber ein Blinder den andern leitet, so werden beide in die Grube fallen. Lk 6,39  Er sagte ihnen aber ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in die Grube fallen?

 

Vergleichung

 

Die Bibelverse sind im Unterschied zum T-Logion ein wenig blumiger formuliert, was aber bei der simplen Aussage keinen Vorteil bringt.

 
 

Thomastext Logion 035

 

Jesus: Es ist nicht möglich, dass jemand in das Haus eines Starken eindringt, und es mit Gewalt an sich nimmt. Es sei denn, er bindet dessen Hände. Dann wird er das Haus ausräumen können.

 

Der kanonische Text

 

Mt 12,29  +  Mk 3,27  Niemand kann in das Haus des Starken hineingehen und seinen Hausrat rauben, es sei denn, er binde zuvor den Starken; dann erst wird er sein Haus berauben.

 

Vergleichung

 

Die Übereinstimmung der Texte ist perfekt, und die Aussage ist jedermann verständlich.

 
 

Thomastext Logion 036

 

Jesus redete: Sorgt euch nicht von früh bis spät und von Abend bis Morgen, was ihr anzuziehen habt.

 

Der kanonische Text

 

Mt 6,25  Darum sage ich euch: Sorget euch nicht um euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung? Mt 10,19  Wenn sie euch aber überliefern, so sorget euch nicht darum, wie oder was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt; Lk 12,22  Und er sprach zu seinen Jüngern: Darum sage ich euch, sorget euch nicht um euer Leben, was ihr essen, noch für den Leib, was ihr anziehen werdet.

 

Vergleichung

 

Die Bibelverse sind hier gegenüber dem T-Logion die klar ergiebigeren, wobei angenommen werden kann, dass der Thomastext in seiner Urfassung entsprechend ausformuliert gewesen war. Es besteht von daher die Vermutung, dass er heute nur noch in Fragmenten vorliegt.

 
 

Thomastext Logion 037

 

Jesu Jünger fragten: Wann wirst du uns erscheinen, und wann werden wir dich sehen? Jesus entgegnete: Wenn ihr eure Furcht vor der Blöße ablegt, und eure Kleider nehmt, sie unter eure Füße legt wie die kleinen Kinder, und sie zertretet, dann werdet ihr den Sohn des Lebendigen sehen, und ihr werdet euch nicht fürchten.

 

Der kanonische Text

 

Mt 24,3  Als er aber auf dem Ölberge saß, traten die Jünger zu ihm besonders und sprachen: Sage uns, wann wird das alles geschehen, und welches wird das Zeichen deiner Wiederkunft und des Endes der Weltzeit sein?

Mt 18,3  und sprach: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen! Lk 18,16  Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret es ihnen nicht; denn für solche ist das Reich Gottes.

 

Vergleichung

 

Ein jeweils etwas anderer Wortlaut, aber ansonsten der identische Inhalt. Der T-Logion ist hier leicht im Vorteil, weil er mit der vorangestellten Einleitungsfrage vermittelt, in welchem Zusammenhang Jesu Aussage erfolgte. In den Bibelversen findet sich dieser Zusammenhang ein wenig zersplittert. 

 
 

Thomastext Logion 038

 

Jesus: Oftmals habt ihr danach verlangt, diese Worte zu hören, die ich euch sage. Keinen anderen werdet ihr finden, sie von ihm zu hören. Es werden aber Tage kommen, wo ihr mich sucht und nicht finden werdet.

 

Der kanonische Text

 

Mt 24,35  +  Mk 13,31  +  Lk 21,33 Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden niemals vergehen. Joh 7,34  Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und wo ich bin, dahin könnt ihr nicht kommen. Joh 8,21  Nun sprach Jesus wiederum zu ihnen: Ich gehe fort, und ihr werdet mich suchen und in eurer Sünde sterben. Wohin ich gehe, dahin könnt ihr nicht kommen! Joh 13,33  Kindlein, nur noch eine kleine Weile bin ich bei euch. Ihr werdet mich suchen, und wie ich zu den Juden sagte: Wohin ich gehe, dahin könnt ihr nicht kommen, so sage ich das jetzt auch zu euch.

 

Vergleichung

 

Der Einleitungshalbsatz im T-Logion vermittelt wieder einen recht guten Einstieg in die Aussage Jesu, wobei aber hier unterm Strich die Bibelverse die informationsreicheren sind.  

 
 

Thomastext Logion 039

 

Jesus: Die Pharisäer und Schriftgelehrten haben die Schlüssel der Erkenntnis empfangen und haben sie versteckt. Selbst sind sie nicht hineingegangen, aber sie ließen auch die nicht hineingehen, welche es wollten.

 

Der kanonische Text

 

Mt 16,6  Jesus aber sprach zu ihnen: Sehet zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer! Mt 23,2  Die Schriftgelehrten und die Pharisäer haben sich auf Moses Stuhl gesetzt. Mt 23,13  Aber wehe euch, ihr Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, dass ihr das Himmelreich vor den Menschen zuschließet! Ihr selbst geht nicht hinein, und die hinein wollen, die lasst ihr nicht hinein.

 

Vergleichung

 

Da gibt es unbedeutende Abweichungen beim Wortlaut, der Inhalt ist jedoch absolut identisch.

 
 

Thomastext Logion 040

 

Jesus: Ein Weinstock, der außerhalb des Vaters gepflanzt wird, wächst nicht auf festem Grund. Er wird daher mit seinen Wurzeln ausgerissen und zugrunde gehen.

 

Der kanonische Text

 

Joh 15,4  Bleibet in mir, und ich [bleibe] in euch! Gleichwie das Rebschoß von sich selbst keine Frucht bringen kann, wenn es nicht am Weinstock bleibt, also auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibet. 

Mt 3,10  +  Mt 7,19  +  Lk 3,9  Schon ist aber die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt. Ein jeder Baum nun, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und in das Feuer geworfen. Lk 13,7  Da sprach er zu dem Weingärtner: Siehe, ich komme nun schon drei Jahre und suche Frucht an diesem Feigenbaum und finde keine. Haue ihn ab! Was hindert er das Land? Lk 13,9  Vielleicht bringt er noch Frucht; wenn nicht, so haue ihn darnach ab!

Vergleichung

 

Die Wortlaute sind allesamt ein wenig anders formuliert. Auf ihren Inhalt bezogen gibt es jedoch offensichtlich keine Unterschiede. Der T-Logion schwächelt dabei etwas mit dem "festen Grund". Da ist die biblische Fruchtbezogenheit besser verständlich.

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