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Seite 06

 

Logien  041 -  050

 
 
 

 

 
 
 

Thomastext Logion 041

 

Jesus: Wer etwas in der Hand hat, dem wird gegeben. Und wer nicht genug hat, dem wird auch das, was er hat, weggenommen.

 

Der kanonische Text

 

Mt 13,12  +  Mt 25,29  +  Mk 4,25  +  Lk 19,26  Ich sage euch: Wer da hat, dem wird gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, wird auch das genommen werden, was er hat. Lk 8,18 So sehet nun darauf, wie ihr hört! Denn wer da hat, dem wird gegeben; und wer nicht hat, von dem wird auch das genommen werden, was er zu haben meint.

 

Vergleichung

 

Perfekte Übereinstimmung!

 
 

Thomastext Logion 042

 

Jesus: Werdet Vorübergehende!

 

Der kanonische Text

 

Joh 8,23  Er aber sprach zu ihnen: Ihr seid von unten her, ich bin von oben her. Ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt. Joh 18,36  Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wäre mein Reich von dieser Welt, so hätten meine Diener gekämpft, dass ich den Juden nicht ausgeliefert würde; nun aber ist mein Reich nicht von hier.

 

Vergleichung

 

Zwei völlig andere Wortlaute, und doch ist ein gemeinsamer Nenner festzustellen. Er besteht darin, dass wer von dieser Welt ist, sich darin auch häuslich einrichtet, was sozusagen bei einem Nomaden nicht der Fall sein kann. Die Nomaden sind immer im Vorübergang begriffen. Sie tragen ihre Habseligkeiten und ihr Dach ständig mit sich. Die können ergo nirgendwo Wurzeln schlagen, sind flexibel, und können so auf neue Herausforderungen und Chancen schnell und angemessen reagieren. Wer sein Herz an die todesverfallene Welt hängt, ist und bleibt damit ein Toter. Gibt es da keine Änderung, hat er keinerlei Chance auf ein Leben bei Gott dem Herrn.

 
 

Thomastext Logion 043

 

Seine Schüler fragten ihn: Wer bist du, der so zu uns sprichst? Er antwortete: Erkennt ihr aus dem, was ich sage, nicht, wer ich bin? Ach, ihr seid geworden wie die Juden! Die lieben den Baum und hassen die Frucht, oder sie lieben die Frucht und hassen den Baum.

 

Der kanonische Text

 

Mt 7,28  Und es begab sich, als Jesus diese Rede beendet hatte, entsetzte sich das Volk über seine Lehre.

Joh 6,51 Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel herabgekommen. Wenn jemand von diesem Brot isst, wird er in Ewigkeit leben. Das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt. Joh 6,59  Solches sprach er, als er in der Synagoge zu Kapernaum lehrte. Joh 6,60  Viele nun von seinen Jüngern, die solches hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede, wer kann sie hören? Joh 6,61  Da aber Jesus bei sich selbst merkte, dass seine Jünger darüber murrten, sprach er zu ihnen: Ist euch das ein Ärgernis?

 

Vergleichung

 

Die beiden Texte ergänzen sich wechselseitig. Jesus erwartete ersichtlich von seinem Publikum, dass gerade wegen der offenbaren Unglaublichkeit seiner Verkündigung die dann nahe liegende Schlussfolgerung sein müsste, ihm seine Worte als Wahrheit zu glauben. Man kennt das ja, dass je unglaublicher ein Geschichte klingt, dann paradoxerweise ihre Wahrscheinlichkeit zunimmt.

Die Bezugnahme auf die Juden im T-Logion kann nur das dualistische Weltbild betreffen, wonach Gott und Welt als zwei grundverschiedene Dinge gesehen und geglaubt werden. Da wird entweder die Welt geliebt und Gott gehasst, oder umgekehrt Gott geliebt und die Welt gehasst. Dass Gott Universum in Person ist, kann so keinen Glauben finden.

 
 

Thomastext Logion 044

 

Jesus: Wer den Vater und den Sohn lästert, dem wird vergeben werden. Wer aber den heiligen Geist lästert, dem wird nicht vergeben werden, weder auf Erden noch im Himmel. 

 

Der kanonische Text

 

Mk 3,29  wer aber wider den heiligen Geist lästert, der hat in Ewigkeit keine Vergebung, sondern er ist einer ewigen Sünde schuldig. Lk 12,10  Und einem jeglichen, welcher ein Wort gegen den Menschensohn reden wird, dem wird vergeben werden; wer aber gegen den heiligen Geist lästert, dem wird nicht vergeben werden.

 

Vergleichung

 

Fast perfekte Übereinstimmung!

 
 

Thomastext Logion 045

 

Jesus sprach: Vom Dornstrauch erntet man keine Trauben, und vom Weißdorn pflückt man keine Feigen; sie bringen kein Obst. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus seinem Vorrat, und ein schlechter Mensch bringt Schlechtes hervor aus seinem Vorrat, der im Herzen ist. Aus dem Überfluss seines Herzens bringt er Böses hervor.

 

Der kanonische Text

 

Lk 6,44  Denn jeder Baum wird an seiner Frucht erkannt; denn von Dornen sammelt man keine Feigen, und vom Dornbusch liest man keine Trauben.

Lk 6,45  +  Mt 12,35  Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatze [des Herzens] Gutes hervor, und der böse Mensch bringt aus seinem bösen Schatze Böses hervor.

 

Vergleichung

 

Eine fast vollständige Deckungsgleichheit!

 
 

Thomastext Logion 046

 

Jesus sagte: Von Adam an ist unter den von Frauen Geborenen keiner, der Johannes den Täufer übertrifft, und der vor ihm nicht die Augen senken müsste. Aber ich sage euch: Wer ein Kind wird, der wird das Reich erkennen und Johannes übertreffen.

 

Der kanonische Text

 

Lk 7,28  +  Mt 11,11  Wahrlich, ich sage euch, unter denen, die vom Weibe geboren sind, ist kein Größerer aufgetreten, als Johannes der Täufer. Doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.

 

Vergleichung

 

Auch hier eine fast vollständige Deckungsgleichheit!

 
 

Thomastext Logion 047

 

Jesus: Kein Mensch kann auf zwei Pferde steigen oder zwei Bögen spannen, und kein Knecht kann zwei Herren dienen, oder er achtet einen und missachtet den anderen. Auch näht man keinen alten Lappen auf ein neues Kleid; denn sonst entsteht ein Riss. Niemand trinkt alten Wein und will dann sofort neuen trinken. Den neuen Wein gießt man nicht in alte Schläuche, damit sie nicht platzen, und in einen neuen Schlauch gießt man keinen alten Wein, damit der neue Schlauch nicht den alten Wein verdirbt.

 

Der kanonische Text

 

Lk 16,13  +  Mt 6,24  Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Mk 2,22   +  Lk 5,37  +  Mt 9,17  Man fasst auch nicht neuen Wein in alte Schläuche, sonst zerreißen die Schläuche und der Wein wird verschüttet und die Schläuche kommen um; sondern man fasst neuen Wein in neue Schläuche, so bleiben beide miteinander erhalten.

Mk 2,21 Niemand näht ein Stück ungewalkten Tuches auf ein altes Kleid; sonst reißt die Füllung davon ab, das neue von dem alten, und der Riss wird ärger.

 

Vergleichung

 

Auch hier wieder eine fast vollständige Deckungsgleichheit!

 
 

Thomastext Logion 048

 

Jesus: Wenn zwei im selben Haus miteinander Frieden machen, dann befehlen sie dem Berg, anderswo hinzugehen, und er geht woanders hin.

 

Der kanonische Text

 

Mt 18,19  Weiter sage ich euch, wenn zwei von euch übereinkommen werden auf Erden über irgend eine Sache, für die sie bitten wollen, so soll sie ihnen zuteil werden von meinem Vater im Himmel. 

Lk 17,6  +  Mt 17,20  Jesus aber sprach zu ihnen: Um eures Kleinglaubens willen! Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, so würdet ihr zu diesem Berge sprechen: Hebe dich von hier weg nach dorthin! Und er würde sich hinwegheben, und nichts würde euch unmöglich sein.

Mt 21,21  Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht nur tun, was mit dem Feigenbaum geschah, sondern auch, wenn ihr zu diesem Berge sagt: Hebe dich und wirf dich ins Meer! - so wird es geschehen. Mk 11,23  Denn wahrlich, ich sage euch, wenn jemand zu diesem Berge spräche: Hebe dich und wirf dich ins Meer, und in seinem Herzen nicht zweifelte, sondern glaubte, dass das, was er sagt, geschieht, so wird es ihm zuteil werden.

 

Vergleichung

 

Bei den Wortlauten gibt es Unterschiede, doch vom Inhalt her große Übereinstimmung. So ist ein Übereinkommen mit dem Frieden gleichbedeutend. Ob man nun bittet, und seine Bitte erfüllt bekommt, oder ob man befiehlt, und der Befehl sich verwirklicht, macht effektiv keinen Unterschied. In den beiden Fällen des Bittens und Befehlens ist der Glaube im Spiel, an dem eben hier alles hängt.

 
 

Thomastext Logion 049

 

Jesus sprach: Selig seid ihr Einsamen, die ihr auserwählt seid das Reich zu finden. Denn aus ihm seid ihr gekommen, und erneut geht ihr dahin zurück.

 

Der kanonische Text

 

Lk 6,20  Und er hob seine Augen auf über seine Jünger und sprach: Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer!

Mt 5,3  Selig sind die geistlich Armen; denn ihrer ist das Himmelreich! Mt 5,4  Selig sind die Trauernden; denn sie sollen getröstet werden! Mt 5,5  Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Land ererben! Mt 5,6  Selig sind, welche nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten; denn sie sollen satt werden! Mt 5,7  Selig sind auch die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen! Mt 5,8  Selig sind alle, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen! Mt 5,9  Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen! Mt 5,10  Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich!

 

Vergleichung

 

Die beiden Texte unterscheiden sich allein dadurch, dass jedem Text der andere fehlt, weswegen sie sich auch hier wieder wechselseitig bedingen und ergänzen.

 
 

Thomastext Logion 050

 

Jesus sprach: Fragt man euch, woher ihr kommt, dann antwortet: Wir kommen aus dem Licht, wo es aus sich heraus entstanden ist; es machte sich auf, und erschien in vielen Bildern. Fragt man euch, wer ihr seid, dann antwortet: Wir sind seine Kinder und auserwählt vom lebendigen Vater. Fragt man nach dem Zeichen eures Vaters an euch, dann antwortet: Bewegung ist es und Unbeweglichkeit.

 

Der kanonische Text

 

Mt 5,14  Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen bleiben.

Mt 13,38  Der Acker ist die Welt; der gute Same sind die Kinder des Reichs; das Unkraut aber sind die Kinder des Bösen.

Mt 20,16  Also werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein. [Denn viele sind berufen, aber wenige auserwählt.] Mt 22,14  Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt! 

Joh 9,5  Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.

 

Vergleichung

 

Für diesen T-Logion gibt es wenig Entsprechung bei den Bibelversen. Doch wurde bereits schon angesprochen, dass die Jünger das Licht erst noch bei sich selbst zu verwirklichen hatten. Solange  Jesus in der Welt weilte, war er ja laut seinem Bekunden das Licht der Welt. Der T-Logion hebt auf die Entstehung der Welt durch denjenigen ab, der das Universum in lichter Person ist. In einem geschlossen Kreis entsteht natürlich Licht durch sich selbst, so dass hier der Erste der Letzte ist, sowie damit wieder das Universum in Person. Dessen Zeichen ist die Urpolarität von (Einheits-)Passivität und (Trenn-)Aktivität. Wer also an Gott dem Herrn Anteil bekommt, erbt quasi ebenso dessen Zeichen oder Merkmal.

 

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