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Logien  051 -  060

 
 
 

 

 
 
 

Thomastext Logion 051

 

Die Jünger fragten Jesus: Wann wird denn die Ruhe der Toten eintreten, und wann wird die neue Welt kommen? Er antwortete ihnen: Die Ruhe, welche ihr erwartet, ist ja schon gekommen. Nur erkennt ihr sie nicht.

 

Der kanonische Text

 

Mt 24,3  Als er aber auf dem Ölberge saß, traten die Jünger zu ihm besonders und sprachen: Sage uns, wann wird das alles geschehen, und welches wird das Zeichen deiner Wiederkunft und des Endes der Weltzeit sein?

Joh 8,23  Er aber sprach zu ihnen: Ihr seid von unten her, ich bin von oben her. Ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt. Mk 13,32  Von jenem Tage aber und der Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel im Himmel, auch nicht der Sohn, sondern nur der Vater.

 

Vergleichung

 

Beim Wortlaut der Texte gibt es Unterschiede, jedoch nicht beim Sinngehalt. Zunächst beginnt beim T-Logion die Ruhe der Toten mit dem Beginn der neuen Welt, wo beides in eins gesetzt ist. Die neue Welt ist die Ewigkeitswelt Gottes, welche im Unterscheid zur Zeitwelt ohne Anfang und Ende ja schon immer kehrseitig zur Zeitwelt existiert. Aufgrund ihrer Kehrseitigkeit kann sie natürlich hier in unserer Zeitwelt nicht erkannt werden. Dennoch gibt es ja für die Zeitwelt gemäß ihres Anfangs dann auch ein entsprechendes Ende. Und dieses Zeitweltende mit der Wiederkunft Christi ist jenes, das die Jünger im T-Logion eigentlich von Jesus erfahren wollten, und das ihnen im Bibelvers des Markus beantwortet wurde.

 
 

Thomastext Logion 052

 

Seine Jünger sagten zu ihm: In Israel haben vierundzwanzig Propheten gesprochen, und alle sprechen durch dich. Er antwortete: So wendet ihr euch von mir "dem Lebendigen" ab, und redet stattdessen von den Toten. 

 

Der kanonische Text

 

Mk 8,27  Und Jesus ging samt seinen Jüngern hinaus in die Dörfer bei Cäsarea Philippi; und auf dem Wege fragte er seine Jünger und sprach zu ihnen: Für wen halten mich die Leute? Lk 9,19  +   Mk 8,28 Sie antworteten: Die einen sagen, du seiest Johannes der Täufer; und andere, du seiest Elia; andere aber, du seiest einer der Propheten.

Mt 16,16  Da antwortete Simon Petrus, und er sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Joh 6,69  Und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes bist!

 

Vergleichung

 

Die Wortlaute bieten fast keine Gemeinsamkeiten, was nun vom Inhalt nicht gesagt werden kann. Denn offenbar war Jesus sehr wichtig gewesen, wie und als was er bei seiner Zuhörerschaft ankam. Nach heutigen Begriffen würde man sagen können, er hätte da ein wenig Meinungsforschung betrieben. Während im T-Logion die Antwort für Jesus den lebendigen Sohn bzw. den Lebendigen noch unbefriedigend ausfällt, entspricht in den Bibelversen die Antwort - der erkennbar inzwischen gelernt habenden Jünger - den Erwartungen Jesu. Gegenüber Jesus den Lebendigen sind alle anderen Menschen schlechthin Tote, auch wenn das den mitbetroffenen Jüngern zunächst nicht gefallen haben mag

 
 

Thomastext Logion 053

 

Seine Jünger fragten ihn: Ist die Beschneidung nützlich oder nicht? Er aber sprach zu ihnen: Wäre sie nützlich, dann würden Männer von ihrem Vater schon im Mutterleib beschnitten gezeugt.

 

Der kanonische Text

 

Joh 7,23  Wenn ein Mensch am Sabbat die Beschneidung empfängt, damit das Gesetz des Moses nicht übertreten werde, was zürnet ihr mir denn, dass ich den ganzen Menschen am Sabbat gesund gemacht habe?

 

Vergleichung

 

Eine direkte Entsprechung des T-Logion gibt es bei den vier Evangelisten nicht. Doch wird der T-Logion durch den Vers bei Johannes gestützt, so dass sich die Texte wechselseitig ergänzen. Denn es scheint völlig klar, dass wer heilt und gesund macht, mit einer körperverletzenden und verstümmelnden Handlung nicht einverstanden sein kann

 
 

Thomastext Logion 054

 

Jesus: Selig ihr Armen! Denn euch gehört das Himmelreich. 

 

Der kanonische Text

 

Lk 6,20  Und er hob seine Augen auf über seine Jünger und sprach: Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer!

 

Vergleichung

 

Bei etwas unterschiedlichem Wortlaut ansonsten völlige Übereinstimmung!

 
 

Thomastext Logion 055

 

Jesus erklärte: Wer Vater und Mutter nicht hasst, der kann nicht mein Jünger sein. Und wer Brüder und Schwestern nicht hasst und sein Kreuz trägt wie ich, der ist meiner nicht wert.

 

Der kanonische Text

 

Mt 10,37  Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert.

Lk 14,27  +   Mt 10,38  Und wer nicht sein Kreuz nimmt und mir nachfolgt, der ist meiner nicht wert. Mt 16,24  Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will jemand mir nachfolgen, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach! Mk 8,34  +  Lk 9,23  Er sprach aber zu allen: Will jemand mir nachkommen, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.

 

Vergleichung

 

Bei etwas unterschiedlichem Wortlaut besteht ansonsten völlige Übereinstimmung! !

 
 

Thomastext Logion 056

 

Jesus: Wer die Welt erkannt hat, der hat eine Leiche gefunden, und wer die Leiche findet, der steht der Welt vor.

 

Der kanonische Text

 

Joh 8,23  Er aber sprach zu ihnen: Ihr seid von unten her, ich bin von oben her. Ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt. 

Mt 8,22  Jesus aber sprach zu ihm: Folge mir nach und lass die Toten ihre Toten begraben! Lk 9,60  Jesus aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber gehe hin und verkündige das Reich Gottes!

Joh 6,69  Und wir haben es geglaubt und erkannt, dass du der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes bist! Joh 18,36  Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; ..............

 

Vergleichung

 

Vom Wortlaut her gibt es keinerlei Entsprechungen, aber selbstverständlich in dem was den gemeinsamen Nenner anbelangt. Denn es liegt klar auf der Hand, dass Jesus mit seinem Bewusstsein als der in der Welt einzig Lebendige, damit auch gleich umgekehrt die Welt als einen Leichnam identifiziert hat. Und dass der Lebendige als Identifizierer der Leiche damit zugleich auch ihr Chef ist, steht naturgemäß außer Frage.

 
 

Thomastext Logion 057

 

Jesus: Mit dem Reich des Vaters ist es wie bei einem Mann, der Korn säte. In der Nacht kam sein Feind und säte Unkraut unter das Korn. Aber der Mann ließ niemand das Unkraut ausreißen. Er sagte zu seinen Leuten: Dass ihr mir ja nicht hingeht und das Unkraut jätet! Mit ihm würdet ihr den Weizen ausreißen. Erst am Tag der Ernte ist das Unkraut gut zu erkennen. Und dann wird es ausgerissen und verbrannt.

 

Der kanonische Text

 

Mt 13,30  Lasset beides miteinander wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte will ich den Schnittern sagen: Leset zuerst das Unkraut zusammen und bindet es in Bündel, dass man es verbrenne; den Weizen aber sammelt in meine Scheune!

 

Vergleichung

 

Der T-Logion ist mit seiner Einleitung umfangreicher ausgeführt, wobei die Sache ein und die selbst ist.

 
 

Thomastext Logion 058

 

Jesus: Selig der Mensch, der gelitten hat! Er hat das Leben gefunden.

 

Der kanonische Text

 

Lk 14,27  +   Mt 10,38  Und wer nicht sein Kreuz nimmt und mir nachfolgt, der ist meiner nicht wert. Mt 16,24  Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will jemand mir nachfolgen, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach! Mk 8,34  +  Lk 9,23  Er sprach aber zu allen: Will jemand mir nachkommen, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.

 

Vergleichung

 

Zwei ganz unterschiedliche Texte, die sich jedoch wechselseitig ergänzen. Um mit dem Leiden das Leben finden zu können, kommt hier nur ein ganz bestimmtes Leiden in Frage, und das ist das spezielle Leiden des Herrn mit seinem Schicksal der Kreuztragung als Vorbild für eine entsprechende Nachfolge.

 
 

Thomastext Logion 059

 

Jesus: Schaut nach dem Lebendigen aus, während ihr lebt! Sonst sucht ihr ihn, wenn ihr sterbt, und könnt ihn nicht sehen.

 

Der kanonische Text

 

Joh 8,21  Nun sprach Jesus wiederum zu ihnen: Ich gehe fort, und ihr werdet mich suchen und in eurer Sünde sterben. Wohin ich gehe, dahin könnt ihr nicht kommen!

Lk 24,5  Da sie nun erschraken und das Angesicht zur Erde neigten, sprachen diese zu ihnen: Was suchet ihr den Lebenden bei den Toten?

 

Vergleichung

 

Die Texte sind im Wortlaut recht unterschiedlich, haben aber den identischen Gegenstand. So erklärt sich von selbst, dass im ohnmächtigen Tod nichts mehr geht. Nur zu Lebzeiten - also der Dauer der zeitweltlichen Existenz - kann die je individuelle Verbindung zum Lebendigen hergestellt werden, mit der man den Tod überlebt. So wie eben beispielhaft der Lebendige seinen Tod durch Auferstehung und Himmelfahrt überwunden hatte.

 
 

Thomastext Logion 060

 

Da war einer aus Samarien, der ein Lamm trug und nach Judäa ging. Jesus fragte nun seine Schüler: Was will der mit dem Lamm? Sie antworteten ihm: Es schlachten und essen. Er aber entgegnete ihnen: Solange es lebt, wird er es nicht essen. Doch erst dann, wenn er es tötet, und es eine Leiche geworden ist. Und sie sagten: Anders wird er es wohl nicht machen können! Daraufhin sprach er zu ihnen: Sucht auch ihr einen Ort, um euch auszuruhen, damit ihr keine Leichname werdet, und man euch verspeist! 

 

Der kanonische Text

 

Joh 6,53  Deswegen sprach Jesus zu ihnen dies: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohnes esset und sein Blut trinket, so habt ihr kein Leben in euch. Joh 6,54  Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, derjenige hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tage. Joh 6,55  Denn mein Fleisch ist wahrhaftige Speise, und mein Blut ist wahrhaftiger Trank. Joh 6,56  Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.

 

Vergleichung

 

Die im Wortlaut recht unterschiedlichen Texte bedingen sich wechselseitig. Im T-Logion ist der zu den Bibelversen umgekehrte Verspeisungsfall angeführt. Wo es eine Richtung gibt, da gibt es ja auch immer die Gegenrichtung. Damit Tote nicht von anderen Toten verspeist werden können, haben sie ihrerseits den Lebendigen zu verspeisen, der in seiner Universalität niemals wegverspeist oder aufgegessen werden kann. Das gleiche gilt dann auch für die, welche vom Lebendigen gegessen haben, und damit zu ungestörter Ruhe kamen. Anders die Toten ohne Lebendigkeit, bei ihrem zeitlichen Ende werden sie von den anderen noch aktiven Toten nicht in Ruhe gelassen und restlos verspeist.

Fazit: Jesus bietet sich im T-Logion als den allzeit lebendigen Ruhe-Ort an, zu dem man durch die in den Bibelversen empfohlene Handlung gelangt.

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