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Logien  061 -  070

 
 
 

 

 
 
 

Thomastext Logion 061

 

Jesus: Zwei ruhen auf einem Bett. Einer wird sterben, der andere leben. Da fragte Salome: Woher hast du das? Was bist du für ein Mensch! Du hast auf meinem Bett gelegen und von meinem Tisch gegessen. Ihr antwortete Jesus: Mein Leben stammt aus dem Licht; was meinem Vater gehört, davon ist mir gegeben. Darauf sagte Salome: Ich bin deine Schülerin. Deswegen sage ich: Wer leer ist, den erfüllt Licht. Ist einer jedoch in sich gespalten, dann füllt ihn Dunkelheit.

 

Der kanonische Text

 

Lk 17,35  +  Mt 24,41  Zwei werden auf der Mühle mahlen; eine von ihnen wird genommen, und die andere wird zurückgelassen.

Joh 1,5  Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen. Joh 8,12  Nun redete Jesus wieder zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern er wird das Licht des Lebens haben. Joh 12,35  Da sprach Jesus zu ihnen: Noch eine kleine Zeit ist das Licht bei euch. Wandelt, solange ihr das Licht noch habt, damit euch die Finsternis nicht überfalle! Wer in der Finsternis wandelt, weiß nicht, wohin er geht.

 

Vergleichung

 

Schon die Wortlaute weisen da gewisse Gemeinsamkeiten auf, so dass die Sinngehalte noch enger beieinander liegen müssen. Der gemeinsame Nenner besteht nun darin, dass die zwei - von denen die eine sterben bzw. zurückgelassen wird, und die andere genommen bzw. leben wird - die identische Person betreffen. Das heißt, dass wer durch Jesus Christus ein neuer Mensch wird, zunächst noch in einer alten und zugleich neuen Ausführung seiner selbst existiert. Erst am zeitweltlichen Ende wird der alte finstere Nichtchrist sterbend zurückgelassen, während der überlebende Christ Aufnahme in der lichten Welt Gottes findet.

Bewirkt wird dies alles durch das universale Licht, das in Jesus von Nazareth personifiziert war, und damit jedem anderen Menschen grundsätzlich zugänglich wurde. Vorbedingung für eine Lichtaufnahme sind eine platzschaffende Selbstentleerung mit anschließender geistseelischer Hinwendung zur universalen Person.

 
 

Thomastext Logion 062

 

Jesus sprach: Ich teile meine Geheimnisse mit denen, denen ich sie mitteile. Was deine Rechte tut, soll deine Linke nicht erkennen können.

 

Der kanonische Text

 

Mt 13,11  Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Weil es euch gegeben ist, die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen; jenen aber ist's nicht gegeben. Lk 8,10  Er sprach: Euch ist es gegeben, jene Geheimnisse des Reiches Gottes zu erkennen, den andern aber in Gleichnissen, auf dass sie sehen und doch nicht sehen, und hören und doch nicht verstehen. Mk 4,11 Und er sprach: Euch ist gegeben, das Geheimnis des Reiches Gottes [zu erkennen], denen aber, die draußen sind, wird alles in Gleichnissen zuteil,

Mt 6,3  Wenn du aber Almosen gibst, so soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut,

 

Vergleichung

 

Die Texte sind vom Wortlaut her fast identisch, sowie vom Inhalt her ebenso fast identisch.

 
 

Thomastext Logion 063

 

Jesus: Es war einmal ein reicher Mann, der viel besaß. Der plante: Ich will mein Vermögen einsetzen, um zu säen und zu pflanzen, zu ernten und meine Speicher zu füllen mit Früchten, auf dass mir nichts fehle. So dachte er in seinem Herzen und starb noch in der gleichen Nacht. Wer Ohren hat, der höre.

 

Der kanonische Text

 

Lk 12,16  Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Eines reichen Mannes Feld hatte viel Frucht getragen. Lk 12,17  Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun, da ich keinen Platz habe, wo ich meine Früchte aufspeichern kann? Lk 12,18  Und er sprach: Das will ich tun, ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin alles, was mir gewachsen ist, und meine Güter aufspeichern Lk 12,19  und will zu meiner Seele sagen: Seele, du hast einen großen Vorrat auf viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und sei guten Muts! Lk 12,20  Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird gehören, was du bereitet hast? Lk 12,21  So geht es dem, der für sich selbst Schätze sammelt und nicht reich ist für Gott.

 

Vergleichung

 

Möglicherweise hatte Jesus einst das identische Gleichnis in zwei Versionen vorgetragen. Einer kurzen für die quasi Schnelleren und einer langen für die Langsameren.

 
 

Thomastext Logion 064

 

Jesus: Ein Mann hatte Gäste, und als das Abendessen zubereitet war, schickte er seinen Diener, um die Gäste zu holen. Der Diener ging nun zum ersten und sagte: Mein Herr hat dich eingeladen. Der erwiderte: Ich habe Geld bei Kaufleuten. Heute am Abend kommen sie zu mir, und ich will ihnen Aufträge geben. Ich bitte, mich beim Essen zu entschuldigen. Er ging zu einem anderen und sagte: Mein Herr hat dich eingeladen. Der erwiderte: Ich habe ein Haus gekauft. Da werde ich heute gebraucht. Leider habe ich keine Zeit. Er ging zu einem anderen und sagte: Mein Herr hat dich eingeladen. Der erwiderte nun: Mein Freund heiratet, und ich richte das Hochzeitsmahl aus. Ich kann nicht kommen und bitte, mich zu entschuldigen. Er ging zu einem anderen und sagte: Mein Herr hat dich eingeladen. Der erwiderte: Ich habe ein Dorf gekauft und will die Pacht abholen. Ich kann also nicht kommen und bitte, mich zu entschuldigen. Der Diener kam zurück und berichtete seinem Herrn: Die Gäste, die du zum Essen eingeladen hast, lassen sich entschuldigen. Der Herr aber sprach zu seinem Diener: Geh hinaus auf die Straßen! Hol alle herein zum Abendessen, die du triffst! Für die Käufer und die Verkäufer sind keine Plätze frei im Haus meines Vaters.

 

Der kanonische Text

 

Lk 14,16  Er aber sprach zu ihm: Ein Mensch machte ein großes Mahl und lud viele dazu. Lk 14,17  Und er sandte seinen Knecht zur Stunde des Mahles, den Geladenen zu sagen: Kommet, denn es ist schon alles bereit! Lk 14,18  Und sie fingen alle einstimmig an, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und bin genötigt, hinauszugehen und ihn zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich! Lk 14,19  Und ein anderer sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und gehe hin, sie zu prüfen; ich bitte dich, entschuldige mich! Lk 14,20  Wieder ein anderer sprach: Ich habe eine Frau genommen, darum kann ich nicht kommen! Lk 14,21  Und der Knecht kam wieder und berichtete das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knechte: Geh eilends hinaus auf die Gassen und Plätze der Stadt und führe die Armen und Krüppel und Lahmen und Blinden herein! Lk 14,22  Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, wie du befohlen hast; es ist aber noch Raum da! Lk 14,23  Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus an die Landstraßen und Zäune und nötige sie hereinzukommen, damit mein Haus voll werde! Lk 14,24  Denn ich sage euch, dass keiner jener Männer, die geladen waren, mein Mahl schmecken wird.

 

Vergleichung

 

Offensichtlich ist die identische Geschichte - von wem auch immer - ein wenig umformuliert worden.

 
 

Thomastext Logion 065

 

Jesus: Ein gütiger Mann besaß einen Weinberg. Den gab er Arbeitern, um im Weinberg zu arbeiten und die Ernte einzubringen. Er schickte einen Knecht, um den Ertrag des Weinbergs abzuholen. Sie aber packten den Knecht und schlugen ihn beinah tot. Der Knecht lief davon und berichtete seinem Herrn. Der Herr dachte: Vielleicht haben sie ihn nicht gekannt. Er schickte einen anderen Knecht, und die Arbeiter schlugen auch ihn. So sandte er seinen Sohn und dachte: Meinen Sohn werden sie wohl respektieren. Als die Arbeiter aber den Erben des Weinbergs erkannten, da packten sie ihn und schlugen ihn tot. Wer Ohren hat, der höre.

 

Der kanonische Text

 

Mt 20,1  Denn das Himmelreich ist einem Hausherrn gleich, welcher am Morgen früh ausging, um Arbeiter in seinen Weinberg zu dingen. Mt 20,2  Und nachdem er mit den Arbeitern um einen Denar für den Tag übereingekommen war, sandte er sie in seinen Weinberg. Mt 20,3  Und als er um die dritte Stunde ausging, sah er andere auf dem Markte müßig stehen Mt 20,4  und sprach zu diesen: Gehet auch ihr in den Weinberg, und was recht ist, will ich euch geben! Mt 20,5  Und sie gingen hin. Wiederum ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat ebenso. Mt 20,6  Als er aber so um die elfte Stunde ausging, fand er andere dastehen und sprach zu ihnen: Warum steht ihr hier den ganzen Tag müßig? Mt 20,7  Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand gedungen! Er spricht zu ihnen: Gehet auch ihr in den Weinberg, und was recht ist, das werdet ihr empfangen! Mt 20,8  Als es aber Abend geworden war, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Schaffner: Rufe die Arbeiter und bezahle ihnen den Lohn, indem du bei den Letzten anfängst, bis zu den Ersten. Mt 20,9  Und es kamen die, welche um die elfte Stunde gedungen worden, und empfingen jeder einen Denar. Mt 20,10  Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; da empfingen auch sie jeder einen Denar. Mt 20,11  Und als sie ihn empfangen, murrten sie wider den Hausherrn Mt 20,12  und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben. Mt 20,13  Er aber antwortete und sprach zu einem unter ihnen: Freund, ich tue dir nicht Unrecht. Bist du nicht um einen Denar mit mir übereingekommen? Mt 20,14  Nimm das Deine und gehe hin! Ich will aber diesem Letzten so viel geben wie dir. Mt 20,15  Habe ich nicht Macht, mit dem Meinen zu tun, was ich will? Oder siehst du darum scheel, dass ich so gütig bin? Mt 20,16  Also werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein. [Denn viele sind berufen, aber wenige auserwählt.]

 

Vergleichung

 

Auch hier hatte vielleicht Jesus das identische Gleichnis einst in zwei Versionen vorgetragen. Eben einer kurzen für die Eiligeren und einer langen für die Geduldigeren. Der Sinn des Gleichnisses ist in den Bibelversen bei Matthäus mit dem Schlussvers der Ersten und Letzten besser verständlich.

 
 

Thomastext Logion 066

 

Jesus: Zeigt mir den Stein, den die Bauleute verworfen haben. Er ist der Eckstein.

 

Der kanonische Text

 

Mk 12,10  +  Mt 21,42  Jesus spricht zu ihnen: Habt ihr noch nie gelesen in der Schrift: «Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Das ist vom Herrn geschehen, und es ist wunderbar in unsern Augen»? Lk 20,17  Er aber blickte sie an und sprach: Was bedeutet denn das, was geschrieben steht: «Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden?»

 

Vergleichung

 

Bei diesem Gleichnis wird wohl Jesus auf sich selbst gezeigt haben, weil es bei den beiden Texten an der zugehörigen Erklärung oder Antwort fehlt.

 
 

Thomastext Logion 067

 

Jesus: Wenn einer das All erkennt, aber sich selbst nicht, so verfehlt er alles.

 

Der kanonische Text

 

Mt 5,14  Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen bleiben. Lk 9,25 Denn was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber sich selbst verliert oder schädigt?

 

Vergleichung

 

Die Texte sind vom Wortlaut her ganz unterschiedlich. Sie sind es aber nicht in ihrer Bedeutung, denn da ergänzen sie sich wechselseitig.

Zunächst muss man um Licht der Welt zu sein, sich reflex als das Licht erkannt haben. Ansonsten säße man ja nur einem frommen Wunsch auf. Das betreffende Licht wiederum ist das personale Universum oder auch die universale Person. Stattdessen die Welt komplett zu gewinnen oder das All durchs Teleskop zu durchstreifen nützt eben nichts bzw. verfehlt alles. Denn der Tod setzt bekanntlich dem allen das klägliche Ende, wohingegen mit dem Überleben beim Herrn das eigentliche Leben erst in Unendlichkeit beginnt.

 
 

Thomastext Logion 068

 

Jesus: Selig ihr, die man hassen und verfolgen wird! Denn dort wo man euch verfolgt, ist kein Ort euch zu finden.

 

Der kanonische Text

 

Mt 5,11  Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und lügnerisch allerlei Arges wider euch reden um meinetwillen! Lk 6,22  Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen, und wenn sie euch ausschließen und ebenso schmähen und euren Namen als einen lasterhaften verwerfen um des Menschensohnes willen.

 

Vergleichung

 

Die Texte sind im Wortlaut annähernd gleich. Sie sind es auch in ihrer Bedeutung und ergänzen sich so wechselseitig. Der für die Hasser und Verfolger unerreichbare Ort ist der Menschensohn, da sie durch ihr sie selbst schädigendes Fehlverhalten an ihm keinen Anteil bekommen können, wo ihre Verfolgten und Gehassten sicher aufgehoben sind.

 
 

Thomastext Logion 069

 

Jesus: Selig sind, die in ihrem Herzen verfolgt werden. Denn sie sind es, welche den Vater in Wahrheit erkannt haben. Selig ihr Hungrigen! Denn den Bauch dessen, der will, wird man füllen.

 

Der kanonische Text

 

Mt 5,8  Selig sind, welche reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen! Mt 5,6  Selig sind, welche nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten; denn sie sollen satt werden! 

 

Vergleichung

 

Die Texte weichen etwas voneinander ab, aber das ist unwesentlich. Was sich hier essenziell ergibt, das ist, dass das Herz als zentraler Ort aller personaler Entscheidung deutlich wird. Dass mit den Hungernden die nach Gerechtigkeit Dürstenden gemeint sind, kommt nur im Bibelvers zum Ausdruck, der damit der bessere Text ist.

 
 

Thomastext Logion 070

 

Jesus: Was ihr in euch erzeugt, das wird euch, wenn ihr es habt, retten. Was ihr nicht in euch erzeugt, das wird euch - wenn ihr es nicht habt - umbringen.

 

Der kanonische Text

 

Mk 4,25  +  Mt 25,29  +  Mt 13,12  +  Lk 19,26  Ich sage euch: Wer da hat, dem wird gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, wird auch das genommen werden, was er hat. Lk 8,18  So sehet nun darauf, wie ihr hört! Denn wer da hat, dem wird gegeben; und wer nicht hat, von dem wird auch das genommen werden, was er zu haben meint.

 
 
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