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Seite 09

 

Logien  071 -  080

 
 
 

 

 
 
 

Thomastext Logion 071

 

Jesus: Ich werde dieses Haus zerstören, und niemand wird es wieder aufbauen können.

 

Der kanonische Text

 

Mt 26,61  Zuletzt aber kamen zwei und sprachen: Dieser hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes zerstören und ihn in drei Tagen aufbauen. Mk 14,58  Wir haben ihn sagen hören: Ich will diesen mit Händen gemachten Tempel zerstören und in drei Tagen einen andern aufbauen, der nicht mit Händen gemacht ist.

 

Vergleichung

 

Zwar zeigen die Texte ein hohes Maß an Übereinstimmung, doch haben sie nur teilweise den gleichen Inhalt. So bezieht sich der T-Logion allein auf den Tempel in Jerusalem, und dessen Zerstörung durch die Römer. Während in den Bibelversen Jesus seinen Körper dem Jerusalemer Tempel gegenüberstellt. Wie nun die Geschichte gezeigt hat, vermochte Jesus nach drei Tagen sich sein Leben wieder zurückholen. Der Jerusalemer Tempel wurde dagegen nie wieder aufgebaut. Die Klagemauer in Jerusalem ist alles, was von der einst riesigen Tempelanlage übrig geblieben ist.

 
 

Thomastext Logion 072

 

Es bat jemand Jesus: Sag meinen Brüdern, sie sollen das Erbe unseres Vaters mit mir teilen! Darauf Jesus: Mensch, wer hat mich zum Teiler bestellt? Dann wandte er sich an seine Schüler und sprach zu ihnen: Bin ich etwa einer, der teilt?

 

Der kanonische Text

 

Lk 12,13  Es sprach aber einer aus dem Volke zu ihm: Meister, sage meinem Bruder, dass er das Erbe mit mir teile! Lk 12,14  Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbteiler über euch gesetzt?

 

Vergleichung

 

Wortlaut und Inhalt decken sich hier vollständig.

 
 

Thomastext Logion 073

 

Jesus sagte: Die Ernte zwar ist groß, aber nur wenige Arbeiter sind da. Darum bittet den Herrn, dass er zur Ernte genügend Arbeiter schickt!

 

Der kanonische Text

 

Mt 9,37  +  Mt 9,38  +  Lk 10,2  Und er sprach zu ihnen: Die Ernte ist sehr groß, aber der Arbeiter sind wenige. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende!

 

Vergleichung

 

Auch hier decken sich Wortlaut und Inhalt vollständig.

 
 

Thomastext Logion 074

 

Jesus: Herr, viele drängen sich um den Brunnen, aber noch niemand ist an den Brunnen herangetreten.

 

Der kanonische Text

 

Mt 7,13  Gehet ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der ins Verderben führt, und viele sind es, die da hineingehen. Lk 13,24  Ringet darnach, dass ihr eingehet durch die enge Pforte! Denn viele, sage ich euch, werden einzugehen suchen und es nicht vermögen.

 

Vergleichung

 

Die Wortlaute sind unterschiedlich, doch das worum es hier geht ist identisch. Und zwar geht es wieder mal um Jesus selbst, der sich sowohl als Brunnen als auch als enge Pforte sieht. Nock keiner hat sich Jesus geistseelisch so weit angenähert, dass ihm von Jesus "lebendiges Wasser" aus dem Brunnen zu reichen gewesen wäre. Ebenso hatte es auch noch keiner vermocht durch die enge Pforte zu Jesus vorzudringen.

 
 

Thomastext Logion 075

 

Jesus: Viele stehen vor der Tür, doch nur die Einsamen sind es, die ins Brautgemach eintreten werden.

 

Der kanonische Text

 

Lk 13,24  Ringet darnach, dass ihr eingehet durch die enge Pforte! Denn viele, sage ich euch, werden einzugehen suchen und es nicht vermögen.

 

Vergleichung

 

Die Texte ergänzen sich wechselseitig, wobei gesagt wird, dass man Eingang zu Gott niemals in der Gruppe erhält, sondern immer nur als Einzelner. Gerade die Absonderung von Gesellschaft und Welt schafft schließlich den idealen Nährboden, auf dem die echte Hinwendung zum Herrn gedeihen kann.

 
 

Thomastext Logion 076

 

Jesus: Mit dem Reich des Vaters ist es wie bei einem Kaufmann, der mit Waren handelte und eine Perle fand. Der Kaufmann war klug. Er verkaufte die Waren und behielt nur die Perle. Sucht auch ihr nach solchem Schatz, der nicht vergeht und dort bleibt, wo keine hungrige Motte hinkommt, und den auch kein Wurm verdirbt!

 

Der kanonische Text

 

Mt 13,45  Wiederum ist das Himmelreich gleich einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Mt 13,46  Als er nun eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie. Mt 6,19  Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo die Motten und der Rost sie fressen, und wo die Diebe nachgraben und stehlen.
Mt 6,20  Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder die Motten noch der Rost sie fressen, und wo die Diebe nicht nachgraben und stehlen.

 

Vergleichung

 

Die Formulierungen zeigen minimale Unterschiede, warum auch wieder die Inhalte identisch sind. Der Schatz oder die Schätze das ist wieder Jesus selbst als das unvergängliche Licht und Universum in Person.

 
 

Thomastext Logion 077

 

Jesus: Ich bin das Licht über allem, und das All bin ich. Aus mir ist das All hervorgegangen, und alles ist bei mir angekommen. Spaltet das Holz – ich bin da! Hebt einen Stein auf – ihr findet mich!

 

Der kanonische Text

 

Joh 8,12  Nun redete Jesus wieder zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern er wird das Licht des Lebens haben. Joh 9,5  Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.

Mt 11,27  +  Lk 10,22 Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; und niemand weiß, wer der Sohn ist, als nur der Vater; und wer der Vater ist, [weiß niemand] als nur der Sohn und wem der Sohn es offenbaren will.

Joh 6,37  +  Joh 17,10  +  Joh 16,15 Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt, dass er es von dem Meinigen nehmen und euch verkündigen wird.

 

Vergleichung

 

Die Texte zeigen ganz unterschiedliche Formulierungen über das Eine das Alles ist. Doch ist der gemeinsame Nenner der All-Anspruch Jesu, welcher Gott den Herrn als denjenigen definiert, der als absolutes Licht des Lebens, und der Lebendige, sowie der Erste und der Letzte, oder das Alpha und Omega, das Universum in allmächtiger Person ist. Denn "alles", das ist buchstäblich alles in Einem, in einer einzigen jedoch universalen Person, als eben das in Jesus vergegenständlichte und personifizierte allumfassende All.

 
 

Thomastext Logion 078

 

Jesus: Wozu seid ihr in die Wüste gekommen? Wolltet ihr sehen, wie ein Schilfrohr sich im Wind beugt? Wolltet ihr einen Menschen sehen, der weiche Kleider trägt? Dann geht zu Königen und vornehmen Leuten! Sie tragen weiche Kleider, und können die Wahrheit nicht erkennen.

 

Der kanonische Text

 

Lk 7,24 Mt 11,7  Als aber diese aufbrachen, fing Jesus an zur Volksmenge zu reden über Johannes: Was seid ihr in die Wüste hinausgegangen zu sehen? Ein Rohr, das vom Winde bewegt wird? Lk 7,25  +  Mt 11,8  Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Menschen, mit weichen Kleidern angetan? Siehe, die weiche Kleider tragen, sind in den Häusern der Könige! Lk 7,26  +  Mt 11,9 Oder was seid ihr hinausgegangen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, einen, der mehr ist als ein Prophet!

 

Vergleichung

 

Wie man sehen kann, decken sich die Wortlaute, und die Inhalte sind identisch.

 
 

Thomastext Logion 079

 

Aus der Menge pries eine Frau Jesus: Gesegnet der Schoß, der dich getragen, und die Brüste, die dich genährt haben! Er aber sprach: Gesegnet sind, welche des Vaters Wort gehört und bewahrt haben in Wahrheit. Denn es werden Tage kommen, da preist ihr den Schoß glücklich, welcher nicht empfangen, und die Brüste, die keine Milch gegeben haben.

 

Der kanonische Text

 

Mt 24,50  so wird der Herr jenes Knechtes an einem Tage kommen, da er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt, Mk 2,20  +  Lk 5,35  Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen genommen sein wird; alsdann werden sie fasten in jenen Tagen. Lk 12,46  so wird der Herr jenes Knechtes an einem Tage kommen, an dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und wird ihn entzwei hauen und ihm sein Teil mit den Ungläubigen geben. Lk 17,22  Er sprach aber zu den Jüngern: Es werden Tage kommen, da ihr begehren werdet, einen einzigen der Tage des Menschensohnes zu sehen, und ihr werdet ihn nicht sehen.

 

Vergleichung

 

"Es werden Tage kommen" diese Prophetie stellt den gemeinsamen Nenner der Texte her. Hierbei geht es um die Schrecken der Endzeit bevor dann tatsächlich irgendwann das Zeitweltende gekommen ist. Dem können allein die Christen hoffnungsvoll entgegen sehen. Wer sich aber auf das Ende nicht eingestellt oder vorbereitet hat, wird daran zerbrechen.

 
 

Thomastext Logion 080

 

Jesus: Wer die Welt erkannt hat, der hat nur den Leib entdeckt. Wer aber den Leib entdeckt hat, der steht der Welt vor.

 

Der kanonische Text

 

Joh 17,23  Ich in ihnen und du in mir, auf dass sie zu vollendeter Einheit gelangen, damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, gleichwie du mich liebst. Joh 17,21  auf dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; auf dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.

 

Vergleichung

 

Die völlig unterschiedlichen Wortlaute der Texte verleiten zu der Annahme, es gäbe da keinen gemeinsamen Nenner. Um ihn sichtbar zu machen, muss man allerdings tief schürfen. 

Konkret  geht es um die Einheit allen Daseins, das Eine das alles ist, und außer dem sonst nichts ist. Das Universum als eine allumfassende Einheit zu erkennen und anzuerkennen ist eine Sache. Der T-Logion nennt sie Welterkenntnis, womit man sich den Korpus als Objekt bewusst gemacht hat. Dagegen stellt er als andere Sache eine ganz andere Bewusstmachung des Korpus als Person, womit man sich das All als (universales) Subjekt bewusst gemacht hat. Wem eine solche Bewusstmachung im Rahmen eines lebendigen Ereignisses bei sich selbst gelingt, der ist damit zu eben diesem universalen Subjekt deckungsgleich geworden. Er ist sodann das Universum in originaler Person.

 
 
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