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Logien 081 - 090
Thomastext Logion 081
Jesus: Wer wahrhaft reich geworden ist, der soll herrschen, und wer die Macht erlangt hat, der soll sie aufgeben.
Der kanonische Text
An dieser Stelle müssen wir passen. Denn zu diesem T-Logion gibt es bei den Kanonikern keine Entsprechung! Etwas entfernt davon können wir aber folgenden Vers aus der Johannes-Offenbarung zum Vergleich heranziehen:
Offb 22,5 Und es wird keinerlei Nacht mehr sein, und sie bedürfen nicht des Lichtes eines Leuchters, noch des Sonnenscheines; denn Gott der Herr wird sie erleuchten, und sie werden herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Vergleichung
Wir wissen es schon: reich wird man durch den Besitz des Menschensohnes, dem universalen Licht, dem Universum in lebendiger Person. Doch bevor man seinen erworbenen Besitz zum ewigen Eigentum bekommt, muss die Zeitwelt abgearbeitet sein, bzw. muss man sich selbst vollendet haben. Wie man sich vollendet wird damit gesagt, dass der mit dem Besitzerwerb einhergehende Gewinn an Herrschaft und Macht restlos wieder aufzugeben ist. Denn diese Attribute sind gemäß dem apokalyptischen Bibelvers der Ewigkeitswelt des Herrn vorbehalten.
Thomastext Logion 082
Jesus sprach: Wer mir nah ist, der ist dem Feuer nahe. Und wer mir fern ist, der ist fern vom Reich.
Der kanonische Text
Mt 3,11 + Lk 3,16 antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber einer, welcher stärker ist als ich, dem ich nicht gut genug bin, den Riemen seiner Schuhe zu lösen; der wird euch im heiligen Geist und Feuer taufen.
Lk 12,49 Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu schleudern, und wie wollte ich, es wäre schon entzündet! Mk 9,49 Denn ein jeglicher muss mit Feuer gesalzen werden, wie jedes Opfer mit Salz gesalzen wird.
Mt 15,8 «Dies Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir. Mk 12,34 Und da Jesus sah, dass er verständig geantwortet, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reiche Gottes! Und es unterstand sich niemand mehr, ihn weiter zu fragen.
Vergleichung
Die Texte zeigen relative Unterschiede bei den Formulierungen, doch geht es um identische Inhalte. Mit dem Feuer wird generell die Vernichtung der alten Gottesferne verbildlicht. Wohingegen die Ferne von Gott bzw. der Person Jesu dann natürlich die unverändert bleibende Ferne dessen Reiches ist. In Jesus ist das Reich Gottes personifiziert und vergegenständlicht, und damit den Mitmenschen buchstäblich zum Greifen nahe gekommen.
Thomastext Logion 083
Jesus: Die Bilder sind dem Menschen sichtbar, und das Licht in ihnen bleibt verborgen. So offenbart sich der Vater, doch bleibt sein Bild umgekehrt verborgen in seinem Licht.
Der kanonische Text
Mt 5,16 So soll euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. Lk 11,35 So siehe nun zu, dass das Licht in dir nicht Finsternis sei! Lk 11,40 Ihr Toren! Hat nicht, der das Äußere schuf, auch das Innere gemacht?
Vergleichung
Die Unterschiede in den Wortlauten sind deutlich, und doch lässt sich ein gemeinsamer Nenner ausmachen. Denn das innere Licht ist in allen Texten der Angelpunkt. Dieses kann man der Innerlichkeit wegen nicht sehen, aber durch ein entsprechendes Tun im Äußeren wird es erkennbar. Wenn sich der Herr dem Menschen offenbart, so geschieht das auf umgekehrte Weise. Es wird immer nur ein Licht gesehen, doch der Körper des aus dem Licht sprechenden Menschen kann nicht geschaut werden (berühmtes Beispiel: Saulus Begegnung mit Jesus auf seinem Wege nach Damaskus). In der menschlichen Gesellschaft sieht man dagegen die Körper oder Leiber (= Bilder), doch nicht - soweit vorhanden - ihr inneres Licht.
Thomastext Logion 084
Jesus sprach: Jetzt freut ihr euch, euresgleichen zu sehen. Wenn ihr aber eure Abbilder seht, die vor euch bestanden haben und die weder sterben noch offenbar werden – wie viel könnt ihr ertragen?
Der kanonische Text
Lk 15,6 und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und Nachbarn zusammen und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war! Lk 15,9 Und wenn sie sie gefunden hat, ruft sie die Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und spricht: Freuet euch alle mit mir; denn ich habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatte!
Mt 28,3 Und seine Gestalt war wie der Blitz und sein Kleid gänzlich weiß wie der Schnee. Mt 28,4 Vor seinem furchtbaren Anblick aber erbebten die Wächter und wurden wie tot. Mt 28,5 Der Engel aber wandte sich zu den Frauen und sprach: Fürchtet ihr euch nicht! Ich weiß wohl, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.
Mk 16,5 Und sie gingen in die Gruft hinein und sahen einen Jüngling zur Rechten sitzen, bekleidet mit einem langen, weißen Gewande; und sie erschraken. Mk 16,6 Er aber spricht zu ihnen: Erschrecket nicht! Ihr suchet Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten; er ist auferstanden, er ist nicht hier; sehet den Ort, wo sie ihn hingelegt hatten!
Lk 24,36 Während sie aber davon redeten, trat er selbst mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Lk 24,37 Aber bestürzt und voll Furcht meinten sie, einen Geist zu sehen. Lk 24,38 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum steigen Zweifel auf in euren Herzen? Lk 24,39 Sehet an meinen Händen und Füßen, dass ich es bin! Rühret mich an und sehet, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, dass ich habe.
Vergleichung
Die Formulierungen in den Texten lassen auf den ersten Blick ziemlich unterschiedliche Inhalte vermuten. Doch bei näherem Hinsehen tritt das Gegenteil scharf hervor. Die Abbilder im T-Logion sind die zur Zeitwelt spiegelbildlichen Entsprechungen aus der Ewigkeitswelt Gottes. Es ist der fundamentale Unterschied zwischen gegenteiliger Zeit- und Ewigkeitswelt welcher beim identischen Menschen ein entsprechend unterschiedliches Erscheinungsbild erzeugt. Das kommt insbesondere bei den Erscheinungsweisen des Auferstandenen deutlich zum Ausdruck. Bei ihm handelt es sich ergo um ein vor- und nachbestandenes unsterbliches Abbild des Jesus von Nazareth, welches zu Lebzeiten Jesu seinen Jüngern und seinem Publikum nicht offenbar werden konnte, so dass deshalb der Glaube gefordert war.
Thomastext Logion 085
Jesus: Aus großer Kraft und aus großem Reichtum ist Adam entstanden, und dennoch war er euer nicht würdig. Denn wäre er es gewesen, dann hätte er den Tod nicht geschmeckt.
Der kanonische Text
Lk 21,27 + Mk 13,26 + Mt 24,30 Und dann wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen, und dann werden alle Geschlechter der Erde sich an die Brust schlagen und werden des Menschen Sohn kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.
Vergleichung
Die Texte stehen vom Wortlaut und dem Inhalt her nur einer sehr entfernten Verbindung. Dennoch haben sie einen gemeinsamen Nenner, der die Kraft und Herrlichkeit mit zugehörigem Reichtum des Menschensohnes betrifft.
Während Adam als alter Menschensohn gemäß der Paradiesgeschichte in der Treue-Anforderung zu sich selbst und Gott, versagte, hat der neue Menschensohn Jesus Christus in absolutem Gehorsam zu sich selbst und dem Herrn die einstige Anforderung gemeistert. Damit ist er gemäß der Paradiesgeschichte genau der und das geworden, was die Schlange (Symbol für Satan) Adam als Produkt des provozierten selbstschädigenden Verhaltens vorgegaukelt hatte: Gott der Herr in universaler Person mit großem Reichtum, großer Kraft und Herrlichkeit auf Ewigkeit.
Thomastext Logion 086
Jesus: Die Füchse haben ihre Höhlen, und die Vögel ihre Nester. Nur des Menschen Sohn hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann, um sich auszuruhen
Der kanonische Text
Mt 8,20 + Lk 9,58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel des Himmels haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, wo er sein Haupt hinlegen kann.
Vergleichung
Die Übereinstimmung der Texte ist perfekt, und die Aussage ist jedermann verständlich.
Thomastext Logion 087
Jesus: Elend ist der Leib, der abhängig ist von einem Leibe. Und elend die Seele, die von diesen beiden abhängt.
Der kanonische Text
Mk 8,36 + Mt 16,26 Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, büßte aber seine Seele ein? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder auslöse? Mk 8,37 Oder was will da ein Mensch zum Lösegeld seiner Seele geben?
Lk 9,24 + Mt 16,25 + Mk 8,35 Denn wer seine Seele retten will, der wird sie verlieren; wer aber seine Seele verliert um meinetwillen, der wird sie finden. Lk 17,33 + Joh 12,25 Wer seine Seele liebt, der wird sie verlieren; wer aber seine Seele in dieser Welt hasst, wird sie zum ewigen Leben bewahren.
Joh 8,32 ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen! Joh 8,33 Sie antworteten ihm: Wir sind Abrahams Same und sind nie jemandes Knechte gewesen; wie sprichst du denn: Ihr sollt frei werden? Joh 8,36 Wird euch nun der Sohn frei machen, so seid ihr wirklich frei.
Vergleichung
Die Texte sind unterschiedlich formuliert, doch ihre Inhalte ergeben den identischen Sinn. Wie schon im T-Logion sehr präzise zum Ausdruck kommt, geht es um weltliche Abhängigkeiten von Leib und Seele. Selbstopferungen und Entsagungen an Geist und Seele sind der steinige Weg, um von den naturgegebenen Abhängigkeiten loszukommen. Der Leib kann ebenso natürlich von den Grundbedürfnissen her nicht unterversorgt werden. Intelligente Lösungen der Überbrückung sind manchmal sehr hilfreich. Die Freiheit für die Einleitung und Durchführung aller notwendigen Maßnahmen kommt letztlich nur wieder durch den Menschensohn.
Thomastext Logion 088
Jesus: Gesandte und Propheten kommen und geben euch das Eure. So gebt ihr ihnen, was in euren Händen ist, und fragt euch, wann sie kommen, um das Ihre zu empfangen!
Der kanonische Text
Lk 16,12 Und wenn ihr mit dem fremden [Gut] nicht treu wart, wer wird dann euch das Eure geben? Joh 13,16 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der Knecht ist nicht größer als sein Herr, noch der Gesandte größer als der ihn gesandt hat. Mt 10,41 Wer nun einen Propheten aufnimmt, weil er ein Prophet heißt, derjenige wird den Lohn eines Propheten empfangen; und wer da einen Gerechten aufnimmt, weil er ein Gerechter heißt, der wird den Lohn eines Gerechten empfangen;
Mt 22,21 + Lk 20,25 + Mk 12,17 Er aber sprach zu ihnen: So gebt doch dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! Joh 3,34 Denn der, den Gott gesandt hat, redet die Worte Gottes; denn Gott gibt [ihm] den Geist nicht nach Maß.
Vergleichung
Die Formulierungen der Texte sind ein wenig unterschiedlich, doch vom Sinngehalt her sind sie als deckungsgleich zu bewerten. Das große gemeinsame Thema ist ersichtlich Leistung, Gegenleistung und ausgleichende Gerechtigkeit. Im Kern geht es Jesus mit seinen Äußerungen natürlich immer um seine Mission und Sache. Ihm dem Propheten und Gesandten des Herrn ist die Gegenleistung nicht zu verweigern, wo er doch dem Volk Heilungen und Verheißungen Gottes bringt.
Thomastext Logion 089
Jesus: Warum wascht ihr das Äußere des Bechers? Versteht ihr nicht, dass der, der das Innere gemacht hat, auch der ist, der das Äußere gemacht hat.
Der kanonische Text
Mt 23,25 Wehe euch, ihr Schriftgelehrte und Pharisäer, und ihr Heuchler, dass ihr das Äußere des Bechers und der Schüssel reiniget; inwendig jedoch sind sie voller Raub und Unmäßigkeit! Mt 23,26 Du blinder Pharisäer, säubere zuerst das Inwendige des Bechers und der Schüssel, damit auch das Äußere rein werde!
Lk 11,40 Ihr Toren! Hat nicht, der das Äußere schuf, auch das Innere gemacht? Mt 23,17 Ihr Narren und Blinde, was ist denn größer, das Gold oder der Tempel, der das Gold heiligt?
Vergleichung
Die Wortlaute der Texte sind fast identisch, und die Inhalte sind es voll und ganz. Jesus prangert mit den Vorwürfen die so genannte Bigotterie der religiösen Organisationen und ihrer Vertreter an. Für ihn ist das Innere das Vorrangige und damit umgekehrt das Äußere das Nachrangige. Das Äußere vergeht mit der Zeit und stirbt, vährend das Innere davon unberührt bleibt. Somit sollte jedem klar sein, was im Leben für das Überleben vorrangigen Wert hat.
Thomastext Logion 090
Jesus: Kommt zu mir! Denn sanft ist mein Joch und mild meine Herrschaft, und ihr findet für euch Ruhe.
Der kanonische Text
Mt 11,29 Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen; Mt 11,30 denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht! Mt 11,28 Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken! Joh 6,35 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.
Vergleichung
Die Übereinstimmung der Texte ist offensichtlich, und die Aussage versteht sich von selbst.
Logien 061 - 070 Logien 071 - 080 Logien 081 - 090
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