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Logien  091 -  100

 
 
 

 

 
 
 

Thomastext Logion 091

 

Da sprachen sie zu Jesus, Sage uns, wer du bist, damit wir an dich glauben. Er antwortete: Ihr prüft die Äußerlichkeit des Himmels und der Erde. Jedoch denjenigen, der vor euch steht, erkennt ihr nicht, und ihr wisst diesen Augenblick nicht zu prüfen.

 

Der kanonische Text

 

Lk 20,2  und sie sprachen zu ihm: Sage es uns, in welcher Vollmacht tust du das? Und wer hat dir diese Vollmacht gegeben? Lk 12,56  Ihr Heuchler, das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr beurteilen; aber wie kommt es, dass ihr all diese Zeit nicht zu prüfen versteht? Mt 16,3  und am Morgen: Heute kommt ein Ungewitter; denn der Himmel ist rot und trübe. Ihr Heuchler, das Aussehen des Himmels versteht ihr zu beurteilen, die Zeichen der Zeit aber nicht!

 

Vergleichung

 

Die Ähnlichkeit der Texte ist augenfällig, und ihre Inhalte sind nahezu identisch. Der Sinn scheint klar und deutlich, so dass es hier keiner Erklärung bedarf.

 
 

Thomastext Logion 092

 

Jesus: Sucht, und ihr werdet finden. Aber damals fragtet ihr mich nach etwas und ich sagte es euch nicht. Jetzt, wo ich es euch sagen will, fragt ihr mich nicht danach.

 

Der kanonische Text

 

Mt 7,7  +  Lk 11,9  Und ich sage euch: Bittet, so wird euch gegeben werden; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan werden!

 

Vergleichung

 

Der erste Satz im T-Logion deckt sich mit den Bibelversen. Sein zweiter Satz ist ohne biblische Entsprechung. Doch dürfte ihn fast jeder aus seiner eigenen Erfahrung nachvollziehen können. Denn so ein Aneinander vorbei spielt sich tagtäglich ab.

 
 

Thomastext Logion 093

 

Jesus: Was heilig ist, das gebt nicht den Hunden, damit sie es nicht in den Dreck ziehen! Werft keine Perlen vor die Schweine, die nichts daraus machen!

 

Der kanonische Text

 

Mt 7,6  Gebet das Heilige nicht den Hunden und werfet eure Perlen nicht vor die Schweine, damit sie dieselben nicht mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.

 

Vergleichung

 

Hier haben wir wieder eine 100-Prozent-Übereinstimmung, wobei der Text keines Kommentars bedarf.

 
 

Thomastext Logion 094

 

Jesus: Wer sucht wird finden. Und wer anklopft, dem wird geöffnet werden.

 

Der kanonische Text

 

Mt 7,7  +  Lk 11,9  Und ich sage euch: Bittet, so wird euch gegeben werden; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan werden!

 

Vergleichung

 

Der T-Logion ist knapper gefasst, obwohl das Bitten bei der Sache auch ein ganz wesentliches Element darstellt.

 
 

Thomastext Logion 095

 

Jesus: Wenn ihr Geld besitzt, dann verleiht nicht auf Zinsen, sondern gebt das Geld demjenigen, von dem ihr es nicht zurückbekommt.

 

Der kanonische Text

 

Mt 19,21  Jesus sprach zu ihm: Willst du vollkommen sein, so gehe hin, verkaufe, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir nach! Mk 10,21  Da blickte ihn Jesus an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eins fehlt dir! Gehe hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm, nimm das Kreuz auf dich und folge mir nach!

 

Vergleichung

 

Die Texte sind offensichtlich unterschiedlich formuliert, doch ergänzen sie sich wechselseitig, indem ja das Thema das identische ist.

 
 

Thomastext Logion 096

 

Jesus: Das Reich des Vaters gleicht einer Frau. Sie nahm etwas Sauerteig, tat ihn ins Mehl, und machte große Brote daraus. Wer Ohren hat zu hören, der höre.

 

Der kanonische Text

 

Lk 13,21  +  Mt 13,33  Ein anderes Gleichnis sagte er ihnen: Das Himmelreich ist gleich einem Sauerteig, den ein Weib nahm und unter drei Scheffel Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert ward.

 

Vergleichung

 

Wie man erkennt, ist die Übereinstimmung der Texte perfekt. Das Gleichnis ist symbolischer Natur, womit gesagt werden soll, dass wie bei einer Backrezeptur Zutaten erforderlich sind, damit man am Ende des Backens das richtige Ergebnis erhält.

 

Thomastext Logion 097

 

Jesus: Das Reich des Vaters gleicht einer Frau, die einen Krug voll mit Mehl trug. Während sie einen weiten Weg ging, brach der Henkel des Kruges ab. Im Krug entstand ein Loch, durch das auf dem Weg hinter ihr Mehl verloren ging. Die Frau merkte nichts und ahnte nichts Böses. Doch als sie ins Haus trat und den Krug hinstellte, fand sie ihn leer.

 

Der kanonische Text

 

Für diesen T-Logion gibt es keine direkte Entsprechung bei den Kanonikern. Da nun das Gleichnis sich problemlos in die Kette aller anderen Gleichnisse Jesu einreihen lässt, ist auf folgendes Bezug zu nehmen:

Joh 20,30  Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die in diesem Buche nicht geschrieben sind. Joh 21,25  Es sind aber noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; und wenn sie eins nach dem andern beschrieben würden, so glaube ich, die Welt würde die Bücher gar nicht fassen, die zu schreiben wären.

 

Kommentar

 

Das Gleichnis ist nicht gleich auf Anhieb zu verstehen. Da muss man ein wenig schürfen, damit es sich erschließt. Hier geht es offenbar um den Verlust dessen, was zuvor schon erworben, verdient oder gewonnen war. Konkret wird da eine Warnung ausgesprochen, dass man einen Bestand durch Unachtsamkeit und Leichtsinn auch wieder verlieren kann. Das darf einen da und dort schon mal passieren, aber nicht, wenn es um die elementar wichtigste Sache des Lebens geht.

 
 

Thomastext Logion 098

 

Jesus: Mit dem Reich des Vaters ist es wie bei einem Mann, welcher einen Edlen umbringen wollte. Im eigenen Haus zog er das Schwert und durchstieß die Wand, um seine Kraft auszuprobieren. So brachte er den Edlen um.

 

Der kanonische Text

 

Auch für diesen T-Logion gibt es keine direkte Entsprechung bei den Kanonikern. Und auch dieses Gleichnis lässt sich unter Hinweis auf die nachstehenden Bibelverse problemlos in die Kette aller anderen Gleichnisse Jesu einreihen:

Joh 20,30  Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die in diesem Buche nicht geschrieben sind. Joh 21,25  Es sind aber noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; und wenn sie eins nach dem andern beschrieben würden, so glaube ich, die Welt würde die Bücher gar nicht fassen, die zu schreiben wären.

 

Kommentar

 

Das Gleichnis hebt darauf ab, dass es zwar gewisser Vorbedingungen bedarf, die dazu führen, dass man sich Gott geistseelisch annähert, aber die Ereigniskonstellation, welche in die innerliche grundlegende Entscheidungssituation der Gottesherrschaft bei einem selbst, führt, ist nicht vorhersehbar. 

 
 

Thomastext Logion 099

 

Die Schüler sprachen zu Jesus: Deine Brüder und deine Mutter stehen draußen. Darauf entgegnete er: Diejenigen, die den Willen meines Vaters tun, sind meine Brüder und meine Mutter. Sie sind es, die in das Reich meines Vaters eingehen werden.

 

Der kanonische Text

 

Mt 7,21  Nicht jeder, der zu mir sagt: «Herr, Herr», wird in das Himmelreich eingehen, sondern nur wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. Mt 12,50  Denn welcher den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mir Bruder, Schwester und Mutter! Mk 3,35  Denn wer den Willen Gottes tut, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.

 

Vergleichung

 

Text und Inhalt sind ersichtlich identisch. Der Sinn versteht sich von selbst.

 
 

Thomastext Logion 100

 

Jesus sprach: Man zeigte Jesus eine Goldmünze und sagte ihm: Beamte des Kaisers fordern Steuern von uns. Er aber sprach zu den Leuten: Gebt dem Kaiser, was seines ist. Gebt Gott, was Gottes ist. Und was mein ist, das gebt mir!

 

Der kanonische Text

 

Mt 22,21  +  Lk 20,25  +  Mk 12,17  Er aber sprach zu ihnen: So gebt doch dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! Joh 3,34  Denn der, den Gott gesandt hat, redet die Worte Gottes; denn Gott gibt [ihm] den Geist nicht nach Maß.

 

Vergleichung

 

Text und Inhalt sind sozusagen identisch, und der Sinn ist jedermann verständlich.

 
 
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