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Logien 101 - 110
Thomastext Logion 101
Jesus: Wer nicht Vater und Mutter hasst wie ich, der kann mir nicht folgen. Und wer nicht den Vater liebt und seine Mutter wie ich, der kann mir nicht folgen. Denn eine Mutter brachte mich zur Welt, aber die wahre Mutter gab mir das Leben.
Der kanonische Text
Mt 10,37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert.
Lk 14,27 + Mt 10,38 Und wer nicht sein Kreuz nimmt und mir nachfolgt, der ist meiner nicht wert. Mt 16,24 Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will jemand mir nachfolgen, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach! Mk 8,34 + Lk 9,23 Er sprach aber zu allen: Will jemand mir nachkommen, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.
Vergleichung
Bei den Texten zeigen sich ganz unwesentliche Wortlaut-Differenzen. Was Vater und Mutter bzw. die Angehörigen betrifft, so verlangt da Jesus ein auf seine Person bezogenes und seiner Verkündigung angepasstes Verhältnis zu den engsten Angehörigen. Wo diese sich gegen ihn stellen, sind sie strikt abzulehnen, und wo sie sich mit ihm stellen, sind sie liebend anzunehmen. Darüber hinaus macht Jesus den bei ihm wohlbekannten Unterschied zwischen wertlosem Fleisch und wertvollem Geist, bzw. ergo der Fleischeseltern und Geisteseltern.
Ohne jene mit der Nachfolge Christi unausweichlich verbundenen gesellschaftlichen und persönlichen Einbußen und Entsagungen ist das Kreuz nicht echt. Das muss es aber sein, um von Gott anerkannt zu werden.
Thomastext Logion 102
Jesus: Wehe den Pharisäern! Denn sie sind wie ein Hund, der am Trog der Rinder liegt. Er frisst nicht, und er lässt die Rinder nicht fressen.
Der kanonische Text
Mt 16,6 Jesus aber sprach zu ihnen: Sehet zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer! Mt 23,2 Die Schriftgelehrten und die Pharisäer haben sich auf Moses Stuhl gesetzt. Mt 23,13 Aber wehe euch, ihr Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, dass ihr das Himmelreich vor den Menschen zuschließet! Ihr selbst geht nicht hinein, und die hinein wollen, die lasst ihr nicht hinein.
Vergleichung
Die Bibelverse sind gegenüber dem T-Logion etwas ausführlicher. Mit dem Klartext von Mt 23,13 kommt deutlich zum Ausdruck, was Sache ist. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass was damals so war, heute nicht mehr so sei. Und was die israelische Kirche betrifft, so besteht diese Tradition auch bei absolut allen christlichen Organisationen und Kirchen.
Thomastext Logion 103
Jesus sagte: Selig der Mensch, der weiß, wann in seinem Haus nachts die Diebe einbrechen werden! So kann er aufstehen, seine Diener sammeln und sich rüsten, ehe sie kommen.
Der kanonische Text
Mt 24,43 + Lk 12,39 Das aber merket: Wenn der Hausvater wüsste, zu welcher Stunde der Dieb käme, so würde er wachen und nicht in sein Haus einbrechen lassen.
Joh 10,1 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer nicht durch die Tür in den Schafstall hineingeht, sondern anderswo hineinsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Joh 10,8 Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe hörten nicht auf sie.
Mt 13,30 Lasset beides miteinander wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte will ich den Schnittern sagen: Leset zuerst das Unkraut zusammen und bindet es in Bündel, dass man es verbrenne; den Weizen aber sammelt in meine Scheune! Mt 13,39 Der Feind, der es sät, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Weltzeit, die Schnitter sind die Engel. Mk 4,29 Wenn aber die Frucht sich darbietet, schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.
Vergleichung
Bei den Bibelversen ist die gemeinsame Thematik weiter ausgeführt. Es liegt offen auf der Hand, dass der Dramatik entsprechend hier der elementare Entscheidungsfall über Leben und Tod gegeben ist. Dem Angriff Satans kann nur standgehalten werden, wenn mit der bereits früher erfolgten Einverleibung des Herrn quasi eine überlegene Waffe zur Verfügung steht. Dieser alles entscheidende Kampf um Sein und Nichtsein bildet die Ursituation des Lebendigen, sowie all derer welche zu ihm gehören, um mit ihm zusammen das sich nur so begründende und sichernde Universum in Person auf Ewigkeit zu sein.
Thomastext Logion 104
Die Leute sagten zu Jesus: Komm, lass uns heute beten und fasten! Jesus aber entgegnete: Was für eine Sünde habe ich denn begangen? Wessen bin ich überführt? Ist der Bräutigam erst einmal aus dem Brautzimmer gegangen, dann lasst die Leute fasten und beten.
Der kanonische Text
Mt 9,14 Da kamen die Jünger des Johannes zu ihm und sprachen: Warum fasten wir und die Pharisäer, deine Jünger aber fasten nicht? Lk 12,22 Und er sprach zu seinen Jüngern: Darum sage ich euch, sorget euch nicht um euer Leben, was ihr essen, noch für den Leib, was ihr anziehen werdet. Mt 6,25 Darum sage ich euch: Sorget euch nicht um euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung?
Vergleichung
Der gemeinsame Nenner bei den Texten ist unübersehbar. Die Unterschiede im Wortlaut und des jeweils Gemeinten lassen die Inhalte sich ergänzen. Jesu Ablehnung des Schau-Fastens und -Betens ist offenbar. Einen Grund für Beten und Fasten lässt er generell nur in Bezug auf seinen zeitweltlichen Abschied gelten. All diesen selbstbetrügerischen Handlungen und Ritualen stellt er die gelebte reine Herzens- und Glaubenshaltung gegenüber. Sie allein ist es, die für einen christlichen Erfolg sorgen kann.
Thomastext Logion 105
Jesus: Wer den Vater und die Mutter kennt, den nennt die Welt "Sohn einer Hure".
Der kanonische Text
Joh 10,15 gleichwie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Joh 14,11 Glaubet mir, dass ich im Vater bin und der Vater in mir ist; wo nicht, so glaubet mir doch um der Werke willen! Joh 10,20 Viele von ihnen sagten: Er hat einen Dämon und ist von Sinnen, was hört ihr auf ihn?
Mt 5,11 Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und lügnerisch allerlei Arges wider euch reden um meinetwillen!
Vergleichung
Auch wenn die Wortlaute dieser Texte anders sind, so verweisen doch alle auf den identischen Umstand, dass Jesus und seine Jünger trotz positiven Wirkens herben Schmähungen und Ehrverletzungen ausgesetzt gewesen waren. Es sind insbesondere seine so genannten "harten Reden" gewesen (Joh 6,60) die provozierten und polarisierten.
Thomastext Logion 106
Jesus sprach: Wenn ihr aus zweien eins macht, dann werdet ihr Söhne des Menschen. Und wenn ihr dann dem Berg befehlt, sich wegzuheben, so wird er verschwinden.
Der kanonische Text
Mt 18,19 Weiter sage ich euch, wenn zwei von euch übereinkommen werden auf Erden über irgend eine Sache, für die sie bitten wollen, so soll sie ihnen zuteil werden von meinem Vater im Himmel.
Lk 17,6 + Mt 17,20 Jesus aber sprach zu ihnen: Um eures Kleinglaubens willen! Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, so würdet ihr zu diesem Berge sprechen: Hebe dich von hier weg nach dorthin! Und er würde sich hinwegheben, und nichts würde euch unmöglich sein. Mt 21,21 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht nur tun, was mit dem Feigenbaum geschah, sondern auch, wenn ihr zu diesem Berge sagt: Hebe dich und wirf dich ins Meer! - so wird es geschehen. Mk 11,23 Denn wahrlich, ich sage euch, wenn jemand zu diesem Berge spräche: Hebe dich und wirf dich ins Meer, und in seinem Herzen nicht zweifelte, sondern glaubte, dass das, was er sagt, geschieht, so wird es ihm zuteil werden.
Vergleichung
Im kurz gehaltenen T-Logion wird die Verbindung zweier Menschen (Mann und Frau!) zu einer personalen neuen Einheit als ganzheitlicher Mensch sichtbar. Das Neue ist zugleich auch das Höhere in jeder Hinsicht, womit diesem "Übermenschen" entsprechend neue Fähigkeiten und Möglichkeiten zu eigen sind. Konkret besitzt er die Allmacht, und ist damit Sohn und Tochter des Lebendigen, sowie dadurch erst wahrhaft Kind Gottes in der Gemeinschaft des Einen. Die Zersplitterung in den Bibelversen verschleiert dagegen diese fundamentale christliche Verheißung Jesu.
Thomastext Logion 107
Jesus: Mit dem Reich ist es wie bei einem Hirten, der hundert Schafe hütete. Das größte verirrte sich. Da ließ er die neunundneunzig allein, und suchte das eine, bis er es fand. Und nach all seinen Mühen sagte er zu dem Schaf: Dich liebe ich mehr als die neunundneunzig.
Der kanonische Text
Mt 18,12 Was dünkt euch? Wenn ein Mensch hundert Schafe hat, und es verirrt sich eines von ihnen, lässt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen, geht hin und sucht das Verirrte? Lk 15,4 Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und eins von ihnen verliert, der nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und dem verlornen nachgeht, bis er es findet?
Joh 10,2 Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Joh 10,3 Diesem tut der Türhüter auf, und die Schafe hören auf seine Stimme, und er ruft seine eigenen Schafe beim Namen und führt sie heraus. Joh 10,11 Ich bin der gute Hirt; der gute Hirt lässt sein Leben für die Schafe. Joh 10,12 Der Mietling aber, der nicht Hirt ist, dem die Schafe nicht eigen sind, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht; und der Wolf raubt und zerstreut die Schafe. Joh 10,13 Der Mietling flieht, weil er ein Mietling ist und sich nicht um die Schafe kümmert.
Vergleichung
Die Übereinstimmung der Texte nach Wortlaut und Inhalt ist offensichtlich, und der Sinn ist es gleichfalls.
Thomastext Logion 108
Jesus: Wer von meinem Mund trinkt, der wird wie ich, und ich selbst werde er, und das Verborgene wird ihm offenbar.
Der kanonische Text
Joh 4,14 wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle von Wasser werden, das bis ins ewige Leben quillt. Joh 6,54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tage. Joh 6,56 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.
Vergleichung
Die Ähnlichkeit der Texte ist augenfällig, und die Inhalte sind deckungsgleich. Quasi ich in ihm, und er in mir, das ist eine Umschreibung personaler Deckungsgleichheit als Kernaussage dieser Formulierungen. Die personale Identität schließt zugleich auch eine Übertragung der mit der Identität Jesu verbundenen nur auf diesem Wege zu erreichende Lüftung seiner Universal-Geheimnisse mit ein.
Thomastext Logion 109
Jesus: Mit dem Reich ist es wie bei einem Mann, in dessen Acker ein verborgener Schatz lag. Davon wusste er nichts. Als er starb, erbte alles sein Sohn. Auch er wusste nichts, nahm den Acker und verkaufte ihn. Als der Käufer aber den Acker pflügte, da kam der Schatz zum Vorschein. Und er lieh Geld aus gegen Zinsen, wem er wollte.
Der kanonische Text
Mt 13,44 Das Himmelreich ist gleich einem verborgenen Schatz im Acker, den ein Mensch fand und verbarg. Und vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker.
Vergleichung
Die Übereinstimmung der Texte ist perfekt. Der Sinn des Gleichnisses ist mehrdeutig. Hier wird jener Auslegung Vorzug gegeben, welche davon ausgeht, dass wo ein Goldklumpen gefunden wurde, in der Gegend noch viel mehr Gold zu finden ist. Der Goldschatz ist natürlich der erfolgte Erstkontakt zum Menschensohn, wobei alles Verfügbare einzusetzen ist, um mit Vollkontakt zu ihm, abzuschließen.
Thomastext Logion 110
Jesus sagte: Wer die Welt gefunden hat, und dadurch reich geworden ist, der verzichte dann auf die Welt.
Der kanonische Text
Mt 13,44 Das Himmelreich ist gleich einem verborgenen Schatz im Acker, den ein Mensch fand und verbarg. Und vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker.
Vergleichung
Hier schließt der T-Logion an den vorangegangenen T-Logion direkt an, so dass auch dieser hier wieder gleiche Bibelvers seine Fortsetzung erhält. Der Acker ist nun der Vollkontakt zu Jesus, bzw. die Einverleibung Jesu zu einer dadurch bewirkten personalen Identität mit ihm. Da Jesus das Universum in Person ist, wurde mit der Identität zu ihm eben die Welt oder das All oder die Herrschaft gefunden bzw. gewonnen. Doch unterliegt die Zeitwelt als das urscheidende Schöpfungsgericht des Herrn seinem ausführenden Arm, wo es dann innerhalb dessen keine störenden Bewegungen im Gefüge geben darf, so dass auf die Welt und Allmacht zu verzichten ist. Das macht den Betroffenen zum berühmten Lamm Gottes, der seine Allmacht und Herrschaft erst mit Umkehrung der Zeitweltwirklichkeit in die Wirklichkeit der Ewigkeitswelt antreten darf und muss.
Das ist übrigens eines dieser Universal-Geheimnisse Jesu gemäß dem vorstehenden T-Logion 108, die man gemäß Mt 7,6 nicht vor die Schweine und Hunde werfen sollte.
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