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Logien 111 - 114
Thomastext Logion 111
Jesus sprach: Auch wenn Himmel und Erde untergehen – wer aus dem Lebendigen lebt, der empfindet weder Tod noch Furcht. Denn wer sich selbst findet, der ist über die Welt hinaus.
Der kanonische Text
Mt 24,35 + Mk 13,31 + Lk 21,33 Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.
Vergleichung
Auch wenn die Texte offenbar Differenzen aufweisen, so haben sie doch den identischen Inhalt, der sich deduktiv d.h. folgernd erschließt. Wir beginnen bei den Bibelversen, wo wir zunächst schließen, dass wenn Jesu Worte nicht vergehen, dies dann auch für ihn als den Sohn des allzeit Lebendigen gelten muss. Dann wechseln wir zum T-Logion, wo wir schließen, dass wer aus dem Lebendigen lebt, mit dem Lebendigen so eine personale Einheit bildet. Da Jesus mit seiner Auferstehung und Himmelfahrt als Lebendiger gegen Furcht und Tod sozusagen immun geworden war, trifft diese Immunisierung auch denjenigen, der mit der Auffindung Jesu in sich selbst als sein Selbst, damit über die Zeitwelt hinaus Teilhabe an dessen Ewigkeitsexistenz besitzt.
Thomastext Logion 112
Jesus redete: Wehe dem Fleisch, das von der Seele abhängt! Wehe der Seele, die vom Fleisch abhängt!
Der kanonische Text
Mk 8,36 + Mt 16,26 Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, büßte aber seine Seele ein? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder auslöse? Mk 8,37 Oder was will da ein Mensch zum Lösegeld seiner Seele geben?
Lk 9,24 + Mt 16,25 + Mk 8,35 Denn wer seine Seele retten will, der wird sie verlieren; wer aber seine Seele verliert um meinetwillen, der wird sie finden. Lk 17,33 + Joh 12,25 Wer seine Seele liebt, der wird sie verlieren; wer aber seine Seele in dieser Welt hasst, wird sie zum ewigen Leben bewahren.
Vergleichung
Obwohl die Texte überwiegend verschieden klingen, so sind doch ihre Inhalte identisch. Das erkennt man erst, wenn man die Begriffe richtig zuordnet.
Fleisch, das ist ein Symbol für Instinkthaftigkeit und Weltverfangenheit, Materialismus und Egoismus. Die Seele steht für die je individuelle Wesensgestalt, deren Komponenten Körper und Geist sind. Klar ist deshalb, dass der durch falsche Lebensführung eintreten könnende Seelenverlust dramatische Konsequenzen für die Person haben muss. Die Abhängigkeit vom Fleisch begünstigt eine geistferne falsche Lebensführung und damit auch den Seelenverlust. Mit dem Seelenverlust wiederum stirbt die an sich unsterbliche Seele nicht etwa, sondern sie mutiert zu einem finsteren Zerrbild, wobei dann umgekehrt die Abhängigkeit von der Seele die Person vollends zu Schrott zerstört.
Rettenden Ausweg aus solch misslicher Lage bietet Jesus mit der Opferung der je eigenen Seele an ihn, um sie von ihm im Tausch gegen seine, alsdann neu, gelichtet und geheilt zurückzuerhalten.
Thomastext Logion 113
Die Jünger fragten Jesus: Wann wird denn das Reich kommen? Er aber sprach: Es kommt nicht, indem ihr darauf wartet. Man kann nicht sagen: Hier oder da ist es. Denn das Reich des Vaters ist schon ausgebreitet über die Erde, nur können es die Menschen nicht sehen.
Der kanonische Text
Mt 24,3 Als er aber auf dem Ölberge saß, traten die Jünger zu ihm besonders und sprachen: Sage uns, wann wird das alles geschehen, und welches wird das Zeichen deiner Wiederkunft und des Endes der Weltzeit sein?
Joh 8,23 Er aber sprach zu ihnen: Ihr seid von unten her, ich bin von oben her. Ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt. Mk 13,32 Von jenem Tage aber und der Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel im Himmel, auch nicht der Sohn, sondern nur der Vater.
Vergleichung
Die Texte sind zwar etwas unterschiedlich formuliert, haben aber ersichtlich das identische Thema, so dass sie sich wechselseitig ergänzen. Im T-Logion hebt Jesus auf die kehrseitig zur Zeitwelt darum deckungsgleiche Ewigkeitswelt ab, die eben wegen der Seitentrennung unsichtbar sein muss. Wie bei einer Münze kann keine Seite die Gegenseite erkennen. In den Bibelversen geht es um den Vorgang der Seitenumkehrung bzw. der Umkehrung der Zeitwelt in die umseitige Ewigkeitswelt, die Jesus mit Hinweis auf das alleinige Wissen des Vaters beantwortet.
Thomastext Logion 114
Simon Petrus forderte: Maria soll uns verlassen; denn Frauen verdienen das Leben nicht. Jesus aber sprach: Seht, ich werde sie führen und männlich machen, so dass sie ein lebendiger Geist wird, wie auch ihr Männer! Denn jede Frau, wenn sie sich männlich macht, geht ins Himmelreich ein.
Der kanonische Text
Mt 19,5 und sprach: «Darum wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen; und die zwei werden ein Fleisch sein»? Mt 19,6 So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern nur ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden. Mk 10,8 und die zwei werden ein Fleisch sein. So sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch.
Vergleichung
Die zwei verschiedenen Texte weisen einen gemeinsamen Nenner auf. Wir erinnern uns hierbei an die Genesis mit der Erschaffung Evas aus der Rippe Adams. Die wird wohl Jesus bei der T-Logion-Aussage im Hintersinn gehabt haben. Eine Frau wird umgekehrt zur Genesis dadurch männlich, indem sie sich mit einem Mann zu einer personalen Einheit verbindet, wie sie in den Bibelversen mit "ein Fleisch" dargelegt wird. Die neu entstandene Einheit bildet jenen uranfänglich ganzheitlichen Menschen mit der Befähigung zur Allmacht - bzw. dem Universum in Person -, wie es in Gott dem Herrn vorgegeben ist. Das Gütesiegel "Lebendiger Geist" ist das ausschließliche Kennzeichen des Herrn, so dass umgekehrt Gott der Herr als Einheit von Mann und Frau von Jesus mitoffenbart wird. Eben das ist er ja auch in der Genesis, als Urbild für sein Abbild in Adam und Eva.
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